Japan 2010 (24) – Heimreise
Es ist der Abreisetag. Immerhin hat Katja bereits am Vortag das wichtigste gepackt sodass wir weniger Stress am heutigen Morgen haben. Ein Problem bleibt jedoch – Katjas Railpass ist bereits gestern abgelaufen. Trotzdem wollen wir uns die knapp 2000 Yen für die Fahrt zum Flughafen Narita sparen – schließlich war der Pass ja teuer genug, und schließlich gilt mein Pass ja auch noch zwei Tag länger. Mit wenig schlechtem Gewissen schmieden wir also einen Plan zum Schwarzfahren. In den Zügen wird eigentlich nie kontrolliert (außer im Shinkansen) also kaufen wir ein 130 Yen Ticket um eine Station weit fahren zu können. Einmal im Sicherheitsbereich wird das Ticket nicht mehr überprüft – erst wieder am Ausgang. Per Local geht’s nach Yokohama. Von hier aus nehmen wir den Narita Airport Express (NEX), der es in knapp einer Stunde bis zum Flughafen schafft. Doch noch vor dem ersten Halt werden wir vom Schaffner kontrolliert, denn im NEX gibt es nur Platzkarten (4800 Yen!) oder Stehplätze (1890 Yen), und die haben wir ja nicht gekauft. Nach etwas Diskutieren dürfen wir ohne etwas zu bezahlen an der nächsten Station aussteigen. Hier nehmen wir nun den Limited Narita Express, der von Shinagawa noch über anderthalb Stunden bis zu unserem Terminal 1 (Lufthansa) fährt. Am Ausgang der nächste Fehlschlag, ein Kontrolleur schaut genau auf die Ablaufdaten der Railpässe und stellt fest, dass einer von beiden abgelaufen ist. Wir tuen ahnungslos und sagen, dass wir uns Chiba zugestiegen sind. Trotz 650 Yen Nachzahlung haben wir immer noch etwas gespart.
Am Flughafen geht alles glatt, der Checkin läuft problemlos. Leider gibt es keine zwei Sitze nebeneinander mehr, dafür aber durch den Gang getrennt am Notausgang direkt hinter der Business Class. Am Gate treffe ich Stefan, einen alten Kollegen aus T-Systems Zeiten, dessen Bruder gerade in Tokyo geheiratet hat – wie klein doch die Welt ist.
Der Flug mit dem Airbus A340-600 ist angenehm. Neue Filme im Bord-Entertainment-System (auch in Economy Class), die absolute Beinfreiheit dank Notausgangplatz und ein netter Sitznachbar, der bereitwillig seinen Platz tauscht, damit Katja und ich zusammen sitzen können. Die Landung in München – Prädikat butterweich. Vielleicht liegt es am Schnee, denn schon kurz nach unserer Landung ist das gesamte Flughafen-Areal unter einer weißen Schneedecke begraben. Die Pflüge fahren im Dauereinsatz und räumen die Start- und Landebahnen. Die knapp vier Stunden Wartezeit zum Connecting Flight nach Dresden wollten wir eigentlich in der Business Lounge verbringen, die Eingangsdame ließ sich aber nicht dazu erweichen, auch Katja Einlass zu gewähren. Blöd.
Nach 5 Stunden regulären Wartens wird uns mitgeteilt, dass der Flug nach Dresden rund 1,5 Stunden Verspätung hat, da die Maschine zwar da ist, die Crew aber erst noch aus Köln einfliegt. Zum Boarding müssen wir 15 Minuten im Treppenhaus auf einen Bus warten, dann weitere 15 Minuten im Bus am Terminal (bei offener Tür) und abermals 15 Minuten im Bus neben dem Flugzeug. Nachdem wir dann endlich einsteigen können, erneutes Warten im Flieger. Dann kommen wieder zwei Busse vorgefahren. Der Captain spricht über Boardlautsprecher, dass er eine schlechte Nachricht hat: Keine Landeerlaubnis in Dresden. Starker Schneefall setzt wieder ein und der Flughafen wird in München gesperrt. Also aussteigen, zum Lufthansa Service Point, und nach einer Lösung suchen. Das Angebot seitens LH sieht so aus: Umbuchung auf den nächsten Tag 09:00 Uhr nach DD. Übernachtung im Kempinski Hotel Flughafen München inklusive Abend-Snack und Frühstück. Da uns keine andere Wahl bleibt, und wir Hunde müde sind, nehmen wir gerne an.
Das Zimmer / die Suite ist ein Traum. Etwa so groß wie meine Zweiraumwohnung daheim mit allem was das Herz begehrt. Der Platz ist so reichlich vorhanden, dass sogar noch Röhrenfernseher in Wohnzimmer und Schlafzimmer stehen. Ich kann es mir nicht verkneifen nach dem Preis für die Luxus-Herberge zu fragen, würde man regulär buchen. Bei niedriger Belegung 550 Euro die Nacht, bei hoher Belegung bis 1000 Euro die Nacht!!! Unglaublich. Das Frühstück ist ein Traum. Neben den (fast) Standard-Bestandteilen wie zusammenstellbares Omelett, gibt es tolle frischgepresste Fruchtsaft-Variationen wie z.B. Orange-Erdbeere oder Apfel-Karotte. Auch fünf verschiedene Sorten Honig und 12 Sorten Marmelade sind mehr als üblich. Was ich allerdings noch nie erlebt habe, sind die sechs verschiedenen Sorten Milch (Ziegenmilch, Lactose freie Milch, 0,3% Fett, 1,5% Fett, entrahmt, Soyamilch).
Der Flug mit der Propeller-Dash nach Dresden verläuft ruhig und ohne Probleme. Bis nach Dresden ist fast überall freie Sicht auf den verschneiten Boden. Erst über Dresden brauchen sich dichte Schneewolken zusammen und machen die Landung zum Blindflug. Wir werden von Eric und Chrissy abgeholt (danke nochmal dafür!).
Japan 2010 (23) – Yokohama
Nach dem Frühstück in der Kyoto Station haben wir noch rund zwei Stunden Zeit bis unser Shinkansen nach Yokohama fährt. Ich nutze die Wartezeit zum Travelblog schreiben, Katja setzt ihre Shopping-Tour fort. Am Bahnsteig begegnet uns eine Gruppe amerikanischer Touristen (L.A.), mit denen wir in ein nettes Gespräch kommen (z.B. Thema Dresden). Das Wetter ist grandios, gefühlte 22 Grad und kein Regen – Japan zeigt sich für unseren letzten wirklichen Urlaubstag noch einmal von seiner besten Seite. Ein kleiner Höhepunkt ist die freie Sicht auf den schneebedeckten Mount Fuji kurz vor Ende der Fahrt.
In Shin-Yokohama angekommen bleibt uns nicht viel Zeit. Die Shinkansen-Direktverbindung (Hikari) dauert gute 2,5 Stunden – das Hotel (Prince Hotel Shin-Yokohama) ist dankbarerweise direkt am Bahnhof gelegen. Wir beziehen ein kleines Zimmer (immerhin mit Doppelbett) im 35. Stockwerk. Schmutziger Fußbodenbelag, eine Plastik-Bad-Box und ein alter Röhrenfernseher verbreiten 90er Jahre Mittelklasse-Charme. Egal, denn wir haben nur knapp eine Stunde zum Frischmachen, Mails Checken und Koffer für den Abreisetag packen. Danach geht es mit der Local Line und zwei Mal umsteigen nach Shibuya, wo wir uns mit Björn und einigen anderen Kollegen treffen. Das komplette Areal ist aufgrund dessen, dass es nicht nur frühsommerlich sondern auch Freitagabend ist, maßlos überfüllt. Die Menschenmassen pressen sich im schrill blinkenden Neon-Ambiente aneinander vorbei. Das japanische Restaurant (Björns Favorite) ist in einem Hinterhof versteckt und verfügt nur über japanisch sprachige Speisekarten. Da wir nicht einmal die Preise lesen können, vertrauen wir auf die Bestellung der Japanologen. Neben Yakitory gibt es allerlei andere Gaumenfreuden (auf Knorpel und vergorenen Fisch verzichten wir allerdings). Am Ende kommen wir rund 35 Euro pro Person finanziell recht günstig davon – dafür, dass wir uns mehr als satt gegessen haben und das Bier / der Wein auch ohne Unterbrechung flossen. Wir nehmen den letztmöglichen Zug zurück nach Shin-Yokohama, der natürlich maßlos überfüllt ist. Schwitzende Japaner stehen dicht an dicht um nicht auf ein teueres Taxi angewiesen zu sein – die Gefahr des Umfallens bzw. eines harten Aufpralls ist relativ gering.
Japan 2010 (22) – Kyoto
Das nass-kalte Wetter in Kyoto zwingt uns nach Indoor-Aktivitäten Ausschau zu halten. Als erstes besuchen wir das Manga-Museum in Fußreichweite zu unserem Hotel. Die umgebaute ehemalige Grundschule ist mehr eine Art Manga-Bibliothek und Archiv als ein Museum. Gleich im Eingangsbereich findet man ausländische Comics und Mangas, größtenteils englisch, aber auch deutsche oder italienische Werke finden sich hier. Am meisten faszinieren mich Frank Millers Sin City Comics, die als Vorlage für den Film dienten.
Danach gehen wir shoppen (mehr oder weniger erfolgreich für den Eigenbedarf) aber auch Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Es geht vorbei am Food Market, der neben allen Variationen von Fisch auch viel Undefinierbares bietet. Das Sushi-Restaurant für den Abend finden wir dieses Mal anhand der Beschreibung in der Touri-Map. Das Ambiente stimmt, das Personal spricht Englisch aber die Preise erschrecken. Am Ende bestellen wir nur zusammen einen Sushi-Teller aus 8 verschiedenen Happen und je zwei Tunfisch- und zwei Krabbenschwanz-Sushi. Mit einem Bier und einer Cola macht das rund 40 Euro (Sättigung nicht inklusive). Dafür hat’s geschmeckt.
Japan 2010 (21) – Kyoto
Kyoto bietet so viele Sehenswürdigkeiten, dass man sicher auch in zwei Wochen nicht alles sehen könnte. Da die meisten Tempel und Schreine irgendwie gleich aussehen, picken wir uns drei der schönsten Ziele heraus. Zuerst der Imperial Palace Kyoto. Am Eingang die erste Ernüchterung – vor dem Besuch muss man sich im Büro für einen der zwei Rundgänge pro Tag anmelden, Walk-In Touristen sind nicht erwünscht. Wir müssten drei Stunden auf die nächste Tour warten und sind uns einig, dass die Fotos die wir in der Touristenbroschüre sehen diese Wartezeit nicht rechtfertigt. Immerhin ist die Gartenanlage um den Palast bei dem Sonnenschein und den blühenden Pflaumenbäumen einen Besuch wert gewesen.
Weiter geht es mit dem Bus zum „goldenen Pavillon“ (Kinkakuji). Ein Tagesticket bietet sich an und ist mit 500 Yen erschwinglich. Zwei Haltestellen unterwegs stellen wir fest, dass der Ginkakuji Temple den wir gerade ansteuern (Unterschied nur im ersten Buchstaben) an der völlig anderen Seite der Stadt liegt und übersetzt der „silberne Pavillon“ heißt. Also umsteigen und in die andere Richtung weiter. Die Anlage um den goldenen Pavillon ist wohl die schönste, die ich bisher in Japan gesehen habe und ich empfehle jedem einen Besuch!
Die nächste Station ist der Fushimi Inari Shrine (mit dem Bus zur Kyoto Station, dann mit JR Nara Local Line zur zweiten Haltestelle). Hier gibt es ein riesiges Berg-Areal mit jeder Menge Torris. Rund 670 Stufen laufen wir bis ganz nach oben und genießen den herrlichen Blick über die Stadt. Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Kyoto Station etwas genauer an, die mit ihrem auffälligen Design und gigantischen Ausmaßen beeindruckt. Mit Sonnenuntergang wird es deutlich frischer und die Suche nach einem Sushi-Restaurant endet vor Erschöpfung und Resignation in einer Nudelbude.
Japan 2010 (20) – Kyoto / Kobe
Da der Wetterbericht für heute keinen Regen meldet, machen wir uns auf den Weg zu einer Tagestour nach Kobe, der bis 1995 bedeutendsten Hafenstadt Japans. Auf dem Weg zum Bahnhof besuchen wir noch schnell das Kyoto Castle, eines der touristischen Höhepunkte der Stadt und nur eine viertel Stunde Fußmarsch von unserem Hotel entfernt. Die Gartenanlage ist sehr schön und die Tour durch das Gebäude (natürlich in speziellen Pantoffeln) ist ein Erlebnis. Fotografieren ist strengstens verboten, aber einen Schnappschuss kann ich machen, bevor die Wächterin uns nochmal mit Nachdruck auf das Verbot hinweist.
Mit dem Zug (JR Rapid Service) geht es nach Kobe, wo wir uns zuerst den Hafen anschauen. Der Hafen Kobes (größtenteils auf einer künstlichen Insel gelegen) war bis zum großen Erdbeben 1995 der größte Asiens und der weltweit zweitgrößte Hafen. Weiter geht es zum Kobe Tower, der entweder gerade komplett restauriert wird oder nach dem 1995er Beben gerade erst wieder aufgebaut wird – die einzige große Baustelle die uns begegnet. Ansonsten erinnert nichts an die Katastrophe, die vor gut 15 Jahren mehreren tausend Menschen das Leben gekostet und die Stadt verwüstet hat. Dann machen wir uns zu Fuß auf die Suche nach dem Erdbebenmuseum, welches leider nirgendwo ausgeschildert ist. Die zwei Taxifahrer die wir befragen sprechen beide kein Wort Englisch, sodass wir die Suche letzten Endes aufgeben. Trotzdem haben wir dabei viel von der Stadt gesehen.
Am Abend gehe ich in das Hotel eigene Spa. Vor der Tür muss man seine Straßenschuhe ausziehen, und in ein spezielles Schließfach geben. Nachdem man seinen Namen und seine Zimmernummer angegeben hat, bekommt man den Schlüssel für einen Spint im Spa-Bereich. Dort gibt es Handtücher und Bademäntel im Überfluss, sogar spezielle hautfarbene Badehosen für etwas zurückhaltendere Zeitgenossen. Die Anlage ist sehr schön: Es gibt eine Trockensauna mit 90 Grad Celsius und eingebautem Fernseher – leider kommt nur eine Reportage über die japanischen Olympia-Teilnehmer. Vor der Sauna eine Dusche mit halbwegs kaltem Wasser und ein Abkühlbecken – auch nur halbwegs kalt. Daneben dann ein größeres Becken und mehrere kleinere gespeist von heißen Quellen. Am hinteren Ende des etwa 30 Meter langen und 5 Meter breiten Spa, befindet sich eine weitere heiße Quelle. Der Bereich wird nur mit ein paar Holztangen von der Außenwelt (13. Stockwerk) getrennt, sodass kühle Luft von außen hinein weht und das heiße Bad schön dampft. Die Spa-Bereiche von Frauen und Männern sind strikt getrennt. Vor dem Männerbereich gibt es noch einen Raum mit Spiegeln, Hightech-Fönen, allerlei Kosmetika, Rasierern, Haargels/sprays etc. Hier kann sich der Mann stylen. Dann den Gang entlang zur Lounge (für Frau und Mann zugänglich), wo schöne Sessel mit schwenkbarem TFT dazu einladen, entweder fern zu sehen, oder einfach den Blick durch das Panoramafenster über Kyoto zu genießen. Kameras sind leider wie Telefone verboten, sodass ich keine Fotos machen kann.




