Archive for November 17th, 2009
China 2009 (6) – From iPod-City to Shanghai
Den Montag nutzen wir, um die China High Tech Fair zu besuchen. Nach einigem planlosen Umherlaufen treffen wir zufällig Walter (die Chance auf ihn zu treffen war wohl wie die Nadel im Heuhaufen zu finden), den Mike von früheren CHTFs kennt. Ich freue mich, mal wieder Deutsch mit einer unbekannten Person sprechen zu können. Wir verabreden uns abends in die Wi-Bar im Crown Plaza Hotel (welches aktuell von einem Österreicher gemanaged wird und zu den besten Häusern am Platz gehört). Das Bier kostet hier stolze 5 Euro, was den Standard mehr aus ausreichend beschreibt (für das Geld kann man hier eine 4 Köpfige Familie im Restaurant versorgen). Wir lassen es uns trotzdem schmecken und lernen nebenbei einige Würfeltricks (Chinesen lieben es scheinbar zu würfeln und spielen unzählige Würfelspiele in Bars und Discos). Der DJ (weiblich) macht vorerst einen guten Eindruck (knappes Outfit, guter Hüftschwung). Die Musik lässt zu wünschen übrig und wird von Stunde zu Stunde schlechter. Wir tanzen trotzdem etwas, merken aber schnell das Madame nur so tut als würde sie CDs einschieben (Ja!, nichmal Schallplatten) und attestieren eine unzureichende Gesamtnote für die Location.
Nach wenigen Stunden Schlaf checken wir aus und fahren noch einmal kurz zur Messe. Hier fallen mir heute besonders die chinesischen Restroom-Eigenarten auf. Nur hier ist zum Beispiel das Rauchen erlaubt, was den Gang zum Klo zu einer atemberaubenden (nicht im übertragenen Sinne) Sache macht! Auch nett ist, dass das Toilettenpapier hieß außerhalb der Kabinen montiert ist. Man nimmt sich also vorher mit, was man braucht, und kann dann seinem Geschäft nachgehen. Wehe man braucht mehr als geplant, dann wird’s peinlich – Hauptsache der Klodeckel ist beheizt! Glück hat der, der einen Klodeckel findet – denn Mikes plötzlich einsetzende Verdauungsprobleme zwingen uns, in einem Kaufhaus (Starbucks) Halt zu machen. Hier gibt es nur Originale chinesische Toiletten, welche nichts weiter als ein Loch im Boden sind.
Von da aus zeigt uns Donalds Kollege ein Einkaufszentrum, in dem es nur Fake-Artikel zu kaufen gibt (non-licensed). Zur Verdeutlichung: Ein iPod kostet original in China nahezu genau so viel wie in Deutschland – eine non-licensed Variante im Spezialkaufhaus kostet rund 10 Euro. Hier findet man alle Marken und alle Arten elektronischer Artikel. Komponenten werden hier von den Fabrikarbeitern mit nach Hause genommen, und im Kaufhaus vor Ort zusammengelötet. Die Qualität ist miserabel – wir belassen es also bei der Besichtigung der Verkaufsflächen! Trotzdem wird Shenzhen auch iPod City genannt, da auch die qualitativ höherwertigen Geräte für den Weltmarkt hier gefertigt werden.

Kaufhaus für Plagiate - Im Hintergrund wird ein iPod zusammengelötet, der Schaltplan ist auf dem Monitor
Ein Taxi (der Fahrer spuckt alle 30 Sekunden aus dem Fenster) bringt uns zum Flughafen. Taxi-Fahren ist nicht nur billig, sondern fast immer auch lebensgefährlich. Ich habe das Gefühl, es gelten keine Regeln – Geschwindigkeit, Vorfahrt, Ampeln, Warnsignale – alles wird ignoriert. Auf den meisten Rücksitzen sucht man eine Gurtanlage vergeblich, die guten Karossen (zumeist VW Santana) haben allesamt mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Trotzdem scheint die Unfallrate gering zu sein.
Der Flug nach Shanghai (mit Shanghai Airlines, welche glücklicherweise Teil der Star Alliance ist) verläuft reibungslos. Für die Jahreszeit ist es hier allerdings viel zu kalt. Der Wind lässt die Temperaturen auf gefühlte -10 Grad absinken. Am Flughafen befindet sich eine Schlange von schätzungsweise 500 Menschen, die alle ein Taxi wollen. Die Wartereihen sind wie vor einer Achterbahn aufgebaut und wir vermuten, dass es sich nur um Stunden handeln kann, bis wir an der Reihe sind. Nach gut 30 Minuten sind wir – schneller als erwartet – einem Taxi zugewiesen worden. Erneut frage ich mich, warum es hier einfach keine Kombis gibt. Ein großer Reisekoffer muss auf den Beifahrersitz – Mike, Donald und ich nehmen also zusammengedrängt hinten Platz.
Das billige Motel-Zimmer in Sichtweite zum Sheraton Wohntempel (heul) hat natürlich kein Fenster. Dafür ist es BILLIG (28 Euro die Nacht) und hat Schimmel / Dreck und dünne Wände inklusive. Ich werfe mir noch eine von Mikes Halsschmerztabletten ein und gehe schlafen in der Hoffnung, dass ich morgen ohne Erkältung aufwache.







