Japan 2009 (11) – Tokyo 6
Natürlich versuche ich möglichst auf westliche Kost zu verzichten und japanische Spezialitäten zu probieren. Ich hatte mir vorgenommen keine Dinge zu essen, die sich noch bewegen – ansonsten bin ich erst einmal offen. Der Geschmack rohen Fischs ist gewöhnungsbedürftig. Ich habe schon vor Japan in Deutschland Sushi gegessen, aber das heimische Schnitzel stets für schmackhafter befunden. Hier im fernen Osten schmeckt der frische rohe Fisch allerdings völlig anders als im deutschen Provinz-Sushi-Restaurant. Neben Sushi (mit Reis und Seetang) wird auch Sashimi (ohne alles) nur mit Soja-Soße und Wasabi (scharfer japanischer Meerrettich) gereicht. Die Schärfe tötet unerwünschte Bakterien im Magen ab. Das typische Sushi-Förderband bekannt aus Funk und Fernsehen gibt es wirklich. Hier nimmt man sich das, was einem gefällt. Abgerechnet wird nachher anhand der leeren Tellerchen. Auch ein Renner ist Essen vom heißen Stein / Grill (Ishiyaki) oder im heißen Wasser Gegartes (Shabu Shabu). Schweineschnitzel gibt’s hier übrigens auch, heißt Tonkatsu und war während meines Aufenthalts nirgendwo auf der Karte. Yakitori – gegrillte Hühnchenspieße gibt es allerdings an jeder Ecke – sehr lecker!
Japanisches Fastfood ist neben den westlichen Importen (KFC, McDo, BK) vor allem Reis mit paniertem Irgendwas, einer undefinierbaren Soße und Käse. Gut für Ausländer: an den meist in Bahnhofsnähe gelegenen Büdchen bestellt man draußen an einer Art Automat (anhand von Bildchen), bezahlt Cash oder via RFID der Bahncard (wie geil!) und erhält dann eine Art Ticket. Dann sucht man sich drinnen einen Platz und gibt das Ticket dem Koch, der in einem Lauftunnel in der Mitte umherturnt und unter den Augen der Gäste das Essen bereitet. Auch Fastfood: Nudelsuppe in allen Formen und Farben. Gegessen wird möglichst laut und mit offenem Mund (höflich). Zum Naseputzen sollte man auf die Toilette gehen – das empfinden die Japaner nämlich im Gegensatz zu ihren Essmanieren als ziemlich ekelig.
In meiner Urlaubszeit gehe ich mit den neu gewonnenen Bekanntschaften aus der Auslandshandelskammer essen. Hat man einen Guide, der bei der Essensbestellung unterstützen kann (ich kann nur Biru Hoooshi) sind die japanischen Restaurants schon für sich ein Erlebnis aufgrund des leckeren Essens, der Atmosphäre und der freundlichen Bedienung. Kombiniert man mit Karaoke, oder hat einen speziell abgetrennten Bereich gebucht, kommt allerdings schnell die Spaßbremse “Last Order”. So wird freundlichst darauf hingewiesen, dass die nächsten Gäste warten oder dass der Wirt Feierabend haben will – und man endlich verschwinden soll. Achso – für alle Raucher: In Japan gibt es in Restaurants noch keine Nichtraucherschutzgesetze – auf dem Fußweg sollte man allerdings vorsichtig sein.
Nach unserem gemeinsamen Essen beschließen wir noch etwas Party zu machen. Der typische Stadtteil, in dem Ausländer landen die Party machen wollen ist Roppongi. Da meine Guides es aber besser wissen, und man ja nicht in Japan ist um unter seines Gleichen zu sein, pendeln wir mit der U-Bahn nach Shinjuku und gehen in eine mehrstöckige Discothek mit 99% Native-Quote. Ich glaube ich war noch nie in meinem Leben in einer so engen Discothek, aber Spaß hat es schon irgendwie gemacht. Man muss natürlich lange durchhalten, denn die letzte U/S-Bahn fährt gegen 0:30 Uhr, und der erste Zug erst wieder gegen 6 Uhr. Will man also das teuere Taxi umgehen, kommt man um gutes Stehvermögen nicht herum. Angenehm: ein Snack nach der Disco (eine Reis-Tang-Fisch-Pyramide) kostet umgerechnet nur 50 ct, gibt es an jeder Ecke und macht satt.
Das japanische Bier ist trotz, dass der Alkohol aus Reis gewonnen wird, sehr lecker – etwas milder vielleicht als das Deutsche – aber sehr lecker!
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