Archive for the ‘Shenzhen’ Category
China 2009 (6) – From iPod-City to Shanghai
Den Montag nutzen wir, um die China High Tech Fair zu besuchen. Nach einigem planlosen Umherlaufen treffen wir zufällig Walter (die Chance auf ihn zu treffen war wohl wie die Nadel im Heuhaufen zu finden), den Mike von früheren CHTFs kennt. Ich freue mich, mal wieder Deutsch mit einer unbekannten Person sprechen zu können. Wir verabreden uns abends in die Wi-Bar im Crown Plaza Hotel (welches aktuell von einem Österreicher gemanaged wird und zu den besten Häusern am Platz gehört). Das Bier kostet hier stolze 5 Euro, was den Standard mehr aus ausreichend beschreibt (für das Geld kann man hier eine 4 Köpfige Familie im Restaurant versorgen). Wir lassen es uns trotzdem schmecken und lernen nebenbei einige Würfeltricks (Chinesen lieben es scheinbar zu würfeln und spielen unzählige Würfelspiele in Bars und Discos). Der DJ (weiblich) macht vorerst einen guten Eindruck (knappes Outfit, guter Hüftschwung). Die Musik lässt zu wünschen übrig und wird von Stunde zu Stunde schlechter. Wir tanzen trotzdem etwas, merken aber schnell das Madame nur so tut als würde sie CDs einschieben (Ja!, nichmal Schallplatten) und attestieren eine unzureichende Gesamtnote für die Location.
Nach wenigen Stunden Schlaf checken wir aus und fahren noch einmal kurz zur Messe. Hier fallen mir heute besonders die chinesischen Restroom-Eigenarten auf. Nur hier ist zum Beispiel das Rauchen erlaubt, was den Gang zum Klo zu einer atemberaubenden (nicht im übertragenen Sinne) Sache macht! Auch nett ist, dass das Toilettenpapier hieß außerhalb der Kabinen montiert ist. Man nimmt sich also vorher mit, was man braucht, und kann dann seinem Geschäft nachgehen. Wehe man braucht mehr als geplant, dann wird’s peinlich – Hauptsache der Klodeckel ist beheizt! Glück hat der, der einen Klodeckel findet – denn Mikes plötzlich einsetzende Verdauungsprobleme zwingen uns, in einem Kaufhaus (Starbucks) Halt zu machen. Hier gibt es nur Originale chinesische Toiletten, welche nichts weiter als ein Loch im Boden sind.
Von da aus zeigt uns Donalds Kollege ein Einkaufszentrum, in dem es nur Fake-Artikel zu kaufen gibt (non-licensed). Zur Verdeutlichung: Ein iPod kostet original in China nahezu genau so viel wie in Deutschland – eine non-licensed Variante im Spezialkaufhaus kostet rund 10 Euro. Hier findet man alle Marken und alle Arten elektronischer Artikel. Komponenten werden hier von den Fabrikarbeitern mit nach Hause genommen, und im Kaufhaus vor Ort zusammengelötet. Die Qualität ist miserabel – wir belassen es also bei der Besichtigung der Verkaufsflächen! Trotzdem wird Shenzhen auch iPod City genannt, da auch die qualitativ höherwertigen Geräte für den Weltmarkt hier gefertigt werden.

Kaufhaus für Plagiate - Im Hintergrund wird ein iPod zusammengelötet, der Schaltplan ist auf dem Monitor
Ein Taxi (der Fahrer spuckt alle 30 Sekunden aus dem Fenster) bringt uns zum Flughafen. Taxi-Fahren ist nicht nur billig, sondern fast immer auch lebensgefährlich. Ich habe das Gefühl, es gelten keine Regeln – Geschwindigkeit, Vorfahrt, Ampeln, Warnsignale – alles wird ignoriert. Auf den meisten Rücksitzen sucht man eine Gurtanlage vergeblich, die guten Karossen (zumeist VW Santana) haben allesamt mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Trotzdem scheint die Unfallrate gering zu sein.
Der Flug nach Shanghai (mit Shanghai Airlines, welche glücklicherweise Teil der Star Alliance ist) verläuft reibungslos. Für die Jahreszeit ist es hier allerdings viel zu kalt. Der Wind lässt die Temperaturen auf gefühlte -10 Grad absinken. Am Flughafen befindet sich eine Schlange von schätzungsweise 500 Menschen, die alle ein Taxi wollen. Die Wartereihen sind wie vor einer Achterbahn aufgebaut und wir vermuten, dass es sich nur um Stunden handeln kann, bis wir an der Reihe sind. Nach gut 30 Minuten sind wir – schneller als erwartet – einem Taxi zugewiesen worden. Erneut frage ich mich, warum es hier einfach keine Kombis gibt. Ein großer Reisekoffer muss auf den Beifahrersitz – Mike, Donald und ich nehmen also zusammengedrängt hinten Platz.
Das billige Motel-Zimmer in Sichtweite zum Sheraton Wohntempel (heul) hat natürlich kein Fenster. Dafür ist es BILLIG (28 Euro die Nacht) und hat Schimmel / Dreck und dünne Wände inklusive. Ich werfe mir noch eine von Mikes Halsschmerztabletten ein und gehe schlafen in der Hoffnung, dass ich morgen ohne Erkältung aufwache.
China 2009 (5) – Shenzhen
Heute (Sonntag) wollen Mike und ich die Freizeit nutzen und endlich mal richtig frühstücken. Das nächste Starbucks (das wir kennen) liegt gute 20 Minuten Fußmarsch vom Hotel entfernt. Ich nehme einen Cappuccino und ein Stück Napfkuchen und bin froh mich nicht schon wieder von Reis und undefinierbaren Sachen ernähren zu müssen. Danach basteln wir 25 Powerpoint Slides für eine Kundenpräsentation in Peking und gehen dann nach etwas Off-Time um 18 Uhr ein kombiniertes Mittag / Abend-Essen suchen.
Wir betreten ein kleines Restaurant, dass wir aufgrund der schönen und lecker anmutenden Speisen-Fotos im Schaufenster auswählen. Übrigens die einzige Art hier zu bestellen, wenn man kein Chinesisch kann. Nachdem uns die Bedienung (irgendwann zu dritt) mit Händen und Füßen versucht zu erklären, dass wir erst zahlen müssen bevor wir unser Essen bekommen, rücke ich die 4,40 Euro (für beide Essen) raus. Mike bekommt zwei Essen (er hatte wohl zu mir gesagt, dass das auch lecker aussieht – die Kellnerin nahm es als Bestellung wahr). Was auf den Fotos wie leckere Mahlzeiten auf Tellern aussah, entpuppt sich schnell als eine der schärfsten Suppen der Welt. Schon nach dem ersten Löffel verliere ich sämtliche Empfindungen im Rachenbereich und auch der neutralisierende Reis kann dies kaum lindern.
Merke: Wir sollten uns unbedingt von kundiger Seite ein paar Zettel auf chinesischer Sprache anfertigen lassen, die wir bei Bedarf einfach vorzeigen können. Ein paar Ideen hätte ich da schon. Z.B.:
- Wie komme ich zur nächsten U-Bahn-Station (Hier Metro und nicht Subway)
- Empfehlen Sir mir ein Essen, das nicht scharf ist.
- Eine Flasche Wasser bitte.
- Eine Flasche Bier bitte.
Eine tolle Erkenntnis habe ich heute noch gewonnen. Erst wunderte ich mich, warum hier nur halbe Klopapier-Rollen im Bad zu finden sind (pro Person wird genau eine zugeteilt). Auch nach dem Zimmerservice gibt’s erst neues, wenn das alte aufgebraucht ist – keinerlei Ersatzrolle. Die Lösung: Die Rollen sind hier nur so klein – mit gefühlten 30 Blatt. Ich verstecke eine Rolle im Koffer und hoffe, dass der Service mit über den Tag eine neue bringt. Dann bin ich stolzer Herr über zwei Klopapierrollen – Dolce Vita!
China 2009 (4) – Shenzhen
Von wegen zeitig in Ruhe. 10 Uhr begann unser Meeting, und es endete 16 Uhr. Unendlich lange für mein persönliches Wochenendempfinden. Mike und ich beschließen noch eine Weile auf Rückmeldung von Kai zu warten (Robert, mein ehemaliger Klassenkamerad und ehemaliger Langzeitarbeitender in Shenzhen hatte den Kontakt hergestellt), gehen dann aber doch alleine los. Wir nehmen uns ein Taxi welches uns für umgerechnet 5 Euro zur Coco-Bar Einkaufs- und Belustigungsmeile fährt. Nachdem wir eine Stunde vergeblich ein Restaurant suchen (ein ganz bestimmtes welches Mike aus vorherigen China-Trips kannte) entschließen wir uns für ein amerikanisch angehauchtes Pizza-Haus. Das Mittagessen – nennen wir es „ungewöhnlich“ – war Gott sei Dank schon verdaut. Nach der Pizza noch in einen chinesischen „Biergarten“ in dem es einige deutsche Sorten Bier gab. An Stelle des Erdingers für 5 Euro nehmen wir aber doch lieber das Tsing Tao für 2 Euro. Die Chinesen scheinen ein sehr geselliges Volk zu sein, draußen ist es voller Leute die oft komische Würfelspiele spielen, oder sich die Birne mit Biertürmen zulöten. Ganz beliebt scheint es auch zu sein, einen Eimer zu bestellen mit einem Sixpack Saft / Energizer und einer Flasche Whisky oder Schnaps. Gut durchgemischt wird dann kurzer Prozess gemacht und getrunken was das Zeug hält. Die Quittung erhält man an der Toilette, welche ab 23:00 Uhr durchgängig mit sich übergebenden Chinesen gefüllt ist. Was für eine Geräusch-Kulisse. Das Taxi zurück kostet einen Euro mehr, wahrscheinlich Nachtzuschlag, und kommen 0:30 Uhr im Hotel an.
Ich stelle mal wieder fest, dass am chinesischen Abend die Internet-Leitung den absoluten Kollaps erleidet. Wahrscheinlich laden sich gerade 500 Millionen männliche Chinesen irgendwelche Pornos auf X-Tube runter, oder was auch immer. Nachmittags funktioniert alles wunderbar. Schnelle Website Darstellung, gute VPN Verbindung, telefonieren über den Vodafone VoIP Client, alles perfekt. Die Qualität des VoIP Signals ist übrigens genial, ich nutze das interne Mikro meines Laptops und klinge anscheinend so nah, als wäre ich im Nachbarzimmer. Naja, wie gesagt, nur Nachmittags.
China 2009 (3) – Shenzhen
Die Grenze von Hong Kong nach Shenzhen ist fließend. Lediglich ein Fluss und die chinesische Staatsgrenze trennt das Sonderverwaltungsgebiet vom Mainland. Nach 45 Minuten Zugfahrt sind wir an der Grenze angelangt, wo wir im Bahnhof diverse Formulare ausfüllen müssen (Hong Kong departure, China arrival, swine flue usw). Parallel wird man von Infrarot-Kameras beobachtet, jeder der Fieber hat darf nicht ins Land. Am Flughafen hat uns Donald in Empfang genommen, wenigstens müssen wir uns so nicht durch die City kämpfen. Das Hotel heisst Motel 268 und ist auch nicht viel mehr wert, als die 30 Euro die es pro Nacht kostet. Ich bekomme ein Raucherzimmer – ekelhaft, aber das Personal versteht geschlossen kein Wort Englisch. Geraucht wird hier eh überall, wobei, Mikes Zimmer riecht besser – da hat er Glück gehabt. Nachdem Donald uns zum Mittag eingeladen hatte (wie üblich isst jeder von jedem Teller etwas), ging es zur Shenzhen Uni wo Mike etwas über unsere Technologie vortrug. Dann weiter zu einem potentiellen Kunden, der NULL Englisch verstand, sodass Donald unsere Ausführungen übersetzen musste. Donalds Auto-Fahrkünste von einer Station zur anderen sind phänomenal! Nicht nur das er permanent mit so wenig Gas anfährt, dass der Wagen die ersten Meter nur stottert, Abends fährt er einfach mal durchgehend mit Fernlicht, und er ignoriert auch sämtliche Lichthupen entgegenkommender Fahrzeuge. Mike und ich vermuten, dass er überhaupt keinen Führerschein besitzt. Ist bei dem Verkehr aber vielleicht auch gar nicht nötig. Ampeln und Einbahnstraßen gelten eher als unverbindliche Empfehlungen, die Hupe ist dafür da zu sagen: “Hallo ich bin hier” oder “Hallo, ich hab dich gesehen”. Das dauernde Hupkonzert in einer 12 Millionen-Metropole kann man sich daher gut vorstellen.
Abends sind Mike und ich noch auf der Suche nach der Metro gescheitert. Nach einer dreiviertel Stunde Fußmarsch sind wir umgekehrt und in ein Restaurant rein, dass irgendwie aussah, als hätte es Niveau. Auch hier – kein Personal konnte Englisch. Also anhand der Bilder in der Speisekarte bestellt und ein Bier dazu. Am Nachbartisch sitzen Deutsche – aber wir suchen keinen Kontakt. Vielleicht hätten sie uns aber bei der Bestellung helfen können. Am Ende war das Essen ok, aber sowohl Mike als der andere Deutsche hatten nur ein Wort, um die Toiletten zu beschreiben: “disgusting!”. Ich erspare mir den Anblick.
Die Nacht habe ich gut geschlafen. Harte Matratzen sind gut für den Rücken. Das Frühstück war allerdings alles andere als toll. Ich esse ein gekochtes Ei, etwas Reis und eine Scheibe viel zu süßes Weißbrot. Danach vergeht mir der Appetit, während Mike sich die vierte Schüssel Haferschleim einschiebt. Ich erwische mich dabei wie ich denke, ich hätte auf Muttern hören und eine Packung Zwieback mitnehmen sollen. Es ist Samstag, daheim schlafen alle noch, und wir treffen uns gleich mit Donald um irgendwas durch zu sprechen, keine Ahnung was. Hoffentlich lässt er uns zeitig in Ruhe.














