Japan 2010 (19) – Kyoto
Gegen 11 Uhr nehmen wir den Shinkansen von Hiroshima nach Kyoto (Fahrtzeit rund 1,5 Stunden mit einmal umsteigen in Shin-Osaka, 30 km vor dem Ziel). Wie immer habe ich alles gut vorbereitet und halte dem Taxifahrer am Bahnhof nur den Zettel mit der Anschrift und dem Namen des Hotels hin – und los geht’s. Falsch gedacht, denn der Zettel, auf dem ich Namen und Anschrift des Hotels geschrieben hatte, trug das Logo des Hotels aus Hiroshima. Wie es der Zufall will, gibt es von derselben Kette in Kyoto ebenfalls ein Hotel, welches der Fahrer zielsicher ansteuert. Wir merken den Fehler erst in der Einfahrt zum Rhiga Royal Kyoto – untätig müssen wir zusehen, wie unser Gepäck entladen wird (die Türen sind leider so verriegelt, dass wir nicht aussteigen können). Gott sei Dank ist das falsche Hotel nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt und nur der Weg zum richtigen Hotel wird berechnet.
Das Hotel (Monterey Kyoto) zeigt sich in schottischem Stil, alte Gemälde säumen den Empfangsbereich. Das Zimmer ist sehr schön, sauber und bietet europäische Bettdecken auf den getrennten Einzelbetten. Die Internetverbindung ist inklusive und auch VPN funktioniert endlich wieder. Die Farbwahl des Zimmers ist etwas gewöhnungsbedürftig, dafür wird auf Nachhaltigkeit großer Wert gelegt. Man kann z.B. einen Zettel aufs Bett legen, wenn man das Bett nur gemacht haben möchte (ohne Laken wechseln).
Mit einem kleinen Orientierungsspaziergang und Okonomiyaki-Abendbrot lassen wir den Tag ausklingen.
Japan 2010 (18) – Hiroshima
Was Nagoya für Toyota ist, das ist Hiroshima für Mazda. Doch der Auto-Gott scheint uns nicht sonderlich milde gestimmt zu sein. Nicht nur, dass man das Mazda Museum nur nach telefonischer Voranmeldung besuchen kann, es hat auch nur zu den normalen Geschäftszeiten (Mo. – Fr. 09:00 – 17:00 Uhr) besucht werden. Da das Wetter noch immer herrlich ist, lassen wir den Tag gemütlich angehen und frühstücken in einem Cafe – witzige Kombinationen wie Kartoffelsalat/Eiersalat Sandwich – aber lecker.
Für den symbolischen Eintrittspreis von 50 Yen besuchen wir das Friedensmuseum. Die 300 Yen für den deutschsprachigen Audio-Guide kann man sich sparen, sofern man der englischen Sprache halbwegs mächtig ist.
Das Museum ist wirklich beeindruckend und zeigt mit teils brutalen Exponaten (Original Kinder-Schuluniformen, ausgefallene Fingernägel und Haare der Opfer, menschliche Schatten auf Steinmauern) das Ausmaß der Zerstörung der Stadt. Bereits Anfang Mai 1945 wurden mögliche Ziele in Japan nach bestimmten Faktoren ausgesucht. Die Städte sollten möglichst keine Schäden durch herkömmliche Bombenangriffe erlitten haben, um das Ausmaß der Schäden, verursacht durch die neue Waffe, besser studieren zu können. Außerdem sollten keine alliierten Kriegsgefangenen in der Stadt untergebracht sein. Hiroshima – der Sitz des Hauptquartiers der zweiten japanischen Armee, welche zur Verteidigung des südjapanischen Festlands zuständig war, wurde als erstes Ziel ausgewählt. Die drei Meter lange und vier Tonnen schwere Uranbombe „Little Boy“ war bereits am 31. Juli einsatzbereit. Der für den 1. August geplante Start musste aufgrund eines Taifuns über dem Zielgebiet verschoben werden. Am 06. August 1945 um 2:45 Uhr hob Pilot Paul Tibbets mit dem B-29 Bomber „Enola Gay“ (getauft auf den Namen seiner Mutter) mit 13 Mann Besatzung, der Atombombe „Little Boy“ und zwei Begleitflugzeugen ab. Schon Tage zuvor hatten die Amerikaner Aufklärungsflugzeuge über dem Zielgebiet kreisen lassen, um die japanische Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen. Der Plan ging auf. Trotz der Entdeckung des kleinen Flugverbands gegen 7 Uhr wurde rund eine Stunde später wieder Entwarnung gegeben. Nach einigen Umkreisungen der Stadt Hiroshima steuerte Pilot Tibbets sein Flugzeug zunächst in die Nähe von Okayama um dann erst in einem zweiten Anflug die Bombe abzuwerfen. Am 6. August 1945 um 08:16 detonierte schließlich die erste Atombombe in einer kriegerischen Auseinandersetzung rund 580 Meter über der Stadt Hiroshima. Aufgrund der zahlreichen Täuschungsmanöver saß nahezu niemand in einem Schutzraum. Ein Feuerball mit einer Innentemperatur von über einer Million Grad Celsius sorgte noch in 10 Kilometer Entfernung für Oberflächentemperaturen von bis zu 6000°C. Bäume und Holzhäuser gehen sofort in Flammen auf. Menschen in einem Umkreis von zwei Kilometern zum Hypozentrum verbrennen sofort und hinterlassen Schatten auf Hauswänden und Treppenstufen, bevor ihre verbrannten Körper von der Druckwelle weggeschleudert werden. 43 Sekunden später hatte die Druckwelle bereits 80% der Innenstadtfläche dem Erdboden gleich gemacht. Die charakteristische Explosionswolke (Atompilz) stieg bis in 13 km Höhe auf und sorgte für radioaktiven Niederschlag (Fallout) in der Region. Zwischen 90.000 und 200.000 Menschen starben sofort. Etwa 60.000 weitere Menschen erlagen den tödlichen Strahlendosen in den Folgewochen. Von den 64 Kilogramm angereicherten Urans der Bombe wurde nur rund 1 kg zur Spaltung gebracht. Heutige Wasserstoffbomben haben rund tausendmal mehr Sprengkraft als „Little Boy“.
Eines der Opfer des Atombomben-Abwurfs, die Schülerin Sadako Sasaki (1943 – 1955) wurde zum späteren Symbol der Friedensbewegung. Als Spätfolge der Strahlung erkrankte sie an Leukämie, und versuchte bis zuletzt mit dem Falten von Origami-Kranichen aus Papier gegen den Tod anzukämpfen. Die internationale Anteilnahme an ihrem Schicksal sorgte dafür, dass Papier-Kraniche zum Symbol gegen Atomkrieg wurden. In dem gesamten Areal finden sich unzählige Ketten von Kranichen, gefaltet in aller Welt und nach Hiroshima gesandt.
Unterdessen gibt es in Japan eine Tsunami-Warnung (die höchste Warnstufe der letzten 15 Jahre) aufgrund des starken Erdbebens in Chile (8,8). Am Ende kommt nur eine etwa 0,5m hohe Welle in Japan an, an der gefährdeten Insel Okinawa etwa 1 Meter hoch, aber keine wirkliche Gefahr. Nach etwas Shopping genießen wir den restlichen Tag die Sonne und essen Eis am Flussufer.
Abends suche ich im Netz nach einer Karaoke Bar, die nicht nur abgetrennte Abteile anbietet sondern einen großen Gastraum. Wie üblich laufen wir zunächst in die falsche Richtung. Als wir den Stadtplan konsultieren, fragen und zwei ältere Damen, ob sie uns helfen können. Ich zeige mit dem Finger auf den Punkt, an dem ich die Bar vermute. Die Frauen beraten einige Minuten auf Japanisch und beschließen dann, dass es am einfachsten sei uns den gesamten Weg zu begleiten (wohl gemerkt, die Ladys wollten in eine ganz andere Richtung). Unterwegs werden von unseren Guides noch weitere Personen involviert, ausgefragt, und in unsere Karawane integriert. Am Ende finden wir die Bar dennoch nicht, sodass die Frauen uns noch einige Alternativen anbieten. Da diese aber nur abgetrennte Abteile zum Karaoke Singen anbieten und nach Stunden abgerechnet werden, blasen wir die Aktion ab.
Japan 2010 (17) – Hiroshima
Bei strahlendem Sonnenschein und blauen Himmel begeben wir uns auf die Spuren der Geschichte Hiroshimas. Natürlich besuchen wir noch einmal den Touristenmagneten Nr. 1 – den A-Bomb Dome. Dieses einst schöne Gebäude war der Sitz der Industrie und Handelskammer Hiroshimas und wurde direkt nach dem Atombombenabwurf als Mahnmal (ähnlich der Dresdner Frauenkirche) konserviert. Weiter geht es zum Friedensgedenkpark und zum Friedensmuseum, vor dem wir uns auf eine Bank setzen und den ersten Sonnenbrand des Jahres einfahren.
Weiter geht es zum Hiroshima Castle, auch Karpfenburg genannt. Die Burg wurde in den 50er Jahren originalgetreu rekonstruiert und bietet mit schönen Gartenanlagen einen wunderbaren Ort zum Entspannen. Den Eintritt zur Besteigung der Burg sparen wir uns, und gehen direkt weiter zum Bahnhof. Im Eingangsbereich steht ein Tempel in dem man kleine Zettelchen mit Sprüchen kaufen kann, ähnlich wie in einer Los-Box. Wenn man will, dass es in Erfüllung geht, faltet man den Zettel und knotet ihn an einem Baumzweig fest. Etwas ähnliches habe ich bereits in Tokyo (Asakusa) gemacht, allerdings ist man da wohl eher auf ausländische Touristen vorbereitet, denn eine englische Übersetzung des Spruchs sucht man in Hiroshima vergeblich.
20km südwestlich von Hiroshima liegt die Insel Miyajima-Insel („Schrein-Insel“), die als eine der schönsten Landschaften Japans gilt. Ein JR Local Train bringt uns nach Miyajimaguchi von wo aus eine Fähre (ebenfalls JR) zur Insel übersetzt. Für den gesamten Trip genügt der Railpass. Bereits früher galt die Insel als heiliger Ort – weder Geburten noch Todesfälle durfte es geben, da beides als Zustand der Unreinheit galt. Erst seit dem 20. Jahrhundert dürfen auch Frauen die Insel betreten. Weltberühmt ist das hölzerne Torii aus dem Jahr 1875, das 160 Meter vor dem Schrein steht. Bei Ebbe kann es zu Fuß erreicht werden, bei Flut steht es im Wasser. Als eines der meistfotografierten Wahrzeichen Japans wurde der Schrein und das Torii 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auf der Insel laufen zahme Rehe umher, die auch gerne mal etwas Zellulose (Tempo-Taschentuch, Eintrittskarte) von Touristen knabbern. Zurück geht es mit der Straßenbahn – was an sich schon ein Erlebnis ist.
Auf dem Rückweg (die Sonne ist bereits untergegangen) besuchen wir noch einmal den A-Bomb-Dome, um die Impressionen fotografisch fest zu halten. Die Gedenkstädte ist sehr schön beleuchtet, zusätzlich zu den grün / weiß beleuchteten Außenfassaden wird von innen mit einem sehr warmen, gelben Licht beleuchtet, was von außen so aussieht, als würde die Ruine noch brennen.
Zum Abendessen gibt es Reisomlett (Omurice) – ähnlich wie ein Bauernfrühstück, nur eben mit Reis drin. Lecker!
Japan 2010 (16) – Lustige Schilder
Auch dieses Jahr möchte ich die interessantesten / skurrilsten und lustigsten japanischen Schilder dokumentieren.
Japan 2010 (15) – Hiroshima
Nach nur zwei Nächten in Fukuoka nutzen wir die Wartezeit auf den Shinkansen Richtung Hiroshima zum ausgiebigen Frühstücken und Karten schreiben. Die nur rund eine Stunde lange Zugfahrt verläuft wieder ohne Beanstandungen und auf die Sekunde pünktlich. Der Taxifahrer, der uns vom Taxizuweiser zugeteilt wird, steht vor der Herausforderung des Tages, unserem Gepäck unter zu bringen. Nachdem er die Kofferraumklappe notdürftig mit einem Gummiseil befestigt stellt er nach gut 300 Meter Fahrt fest, dass es regnet und es an Sicht nach hinten mangelt. Also rechts ran (äh, links ran) und einen Koffer quer auf den Beifahrersitz stellen – allerdings so unglücklich, dass der Schaltknüppel kaum noch seiner Bestimmung folgen kann.
Im Hotel (Rihga Royal Hotel Hiroshima) angekommen erwartet uns ein riesiger Empfangsbereich. Die Einrichtung verrät sofort, in diesem Hotel ist alles auf Hochzeiten ausgerichtet. In einer Kapelle im Erdgeschoss finden Trauungen (christlich?) unter einem Kreuz statt – ganz in weiß versteht sich. Der westliche Style gilt als hipp und modern. In Etage 7 befinden sich Pool und Sauna-Bereich, allerdings ist die Sauna getrennt-geschlechtlich. Für 3100 Yen kann man hier also Auszeit von seiner Frau nehmen. Auch sonst sind die Japaner eher prüde – Menschen mit Tattoos beispielsweise, dürfen den Bereich nicht betreten.
Die Empfangsdame bucht uns zum Checkin kostenlos auf ein größeres Zimmer im 19. Stock um, da wir ihrer Ansicht nach so viel Gepäck haben. Dicker Minus-Punkt: Internet kostet 1050 Yen pro 24 Stunden extra. Noch schlimmer: es funktioniert kein VPN (ich komme als nicht an meine geschäftlichen E-Mails ran)! Am Empfang frage ich nach einem Feedback-Bogen um der Hotelleitung den Hinweis zu geben, dass dies für potentielle Geschäftsreisende keine guten Bedingungen sind. Doch die Empfangsdame guckt mich mit ihren Segelohren an, als hätte sie das Wort Feedback noch nie gehört oder gelesen. Selbst als erfahrener Activity-Spieler fällt es mir schwer, den Begriff Feedback-Bogen anders zu erklären. Letzten Endes gelingt es mir doch und ich bekomme einen (welch Überraschung) japanischen Feedbackbogen, den ich natürlich nicht ausfüllen kann.
Immerhin liegt das Hotel sehr gut – genau zwischen Burg und A-Bomb Dome. Letzteren besuchen wir noch schnell, bevor wir in einem Imbiss zu Abend essen. Als es stark zu regnen beginnt, verziehen wir uns ins Hotel.



























